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Kirchen

Holtorfer Kirche

Holtorfer Kirche ©Jakob Kayser (Quelle: Denkmalatlas Niedersachsen)
Barockes Kleinod auf spätgotischen Grundmauern

Die Kirche in Holtorf ist ein historisches Kleinod, das durch seine Baugeschichte und die architektonischen Details eine zentrale Rolle im Dorfleben spielt und dessen Ursprünge bis ins späte Mittelalter zurückreichen. Der mächtige Wehrturm, erbaut im späten 14. Jahrhundert, war einst als Schutz- und Beobachtungsturm bekannt und wurde „Kiek in’t Land“ genannt. Dieser Turm diente dazu, das umliegende Land zu überblicken und die Dorfbewohner vor Gefahren zu warnen. Ein vier Meter hoher Einstieg ermöglichte einst den Zugang zum Turm und unterstrich seine Funktion als Zufluchtsort in kriegerischen Zeiten. Der Einstieg wurde im Jahr 1510 zugemauert, wie eine Inschrift mit der Jahreszahl „MDX“ belegt. Das Kirchenschiff, das ebenfalls im 14. Jahrhundert errichtet wurde, zeugt mit seinen gotischen Elementen und pastellfarbenen Wandmalereien aus dem 15. und 16. Jahrhundert von der kunstvollen Ausstattung und der langen Geschichte der Kirche. Die Inschriften und Ziegelbrennerzeichen auf Steinplatten, die in das Mauerwerk integriert sind, bieten wertvolle Einblicke in die Baugeschichte und die damalige Handwerkskunst.

Entbehrungsreiche Geschichte

Im Jahr 1455 erlebte die Holtorfer Kirche eine organisatorische Veränderung, als die Kirchengemeinden Holtorf und Kapern aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten und häufiger Hochwasserschäden zusammengelegt wurden. Diese Fusion schuf eine stabile Basis für die kirchliche Versorgung der Region, und die Urkunde, die diesen Zusammenschluss besiegelt, ist noch heute im Kirchenarchiv vorhanden. Im Verlauf des 30-jährigen Krieges (1618–1648) wurde die Kirche schwer beschädigt, insbesondere die hohe Turmspitze. Nach dem Krieg wurde diese zu einem schlichteren Satteldach umgebaut, das mit einer Wetterfahne von 1633 geschmückt ist. Der Wiederaufbau des Kirchenschiffs erfolgte erst 1745. Es wurde im barocken Stil als Saalbau auf den Grundmauern der spätgotischen Kirche errichtet, was dem Gebäude seine heutige Form und Struktur verleiht. In dieser Zeit wurde auch ein neuer Kanzelaltar hinzugefügt, der den barocken Charakter des Kircheninnenraums unterstreicht. Ein Taufbecken aus dem Jahr 1787 und eine Fachwerk-Sakristei, die 1790 angebaut wurde, erweiterten das Inventar und die Nutzungsmöglichkeiten der Kirche. Die Kirche war auch in späteren Jahrhunderten Mittelpunkt und Symbol für die Bewohner Holtorfs. Während der Napoleonischen Kriege hinterließ ein französischer Corporal im Jahr 1811 eine Inschrift im Kirchturm: „L’esperance est notre vie“ („Die Hoffnung ist unser Leben“). Diese Worte geben einen Eindruck von den Herausforderungen und der Resilienz der Dorfgemeinschaft in jener Zeit. Auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg hatte die Kirche Opfer zu beklagen, als Glocken für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden – ein Schicksal, das viele Kirchen während der Kriege teilten.

Holtorfer Kirche in den 1930er Jahren (Quelle: Wendland-Archiv)
Grundriss ©Mattner (Quelle: kirchbau.de)
Holtorfer Kirche ©Jakob Kayser (Quelle: Denkmalatlas Niedersachsen)
Ein Ort der Begegnung

Im Jahr 2008 wurde die Kirche mit einer neuen Orgel des Orgelbauers Martin ter Haseburg bereichert, die sich harmonisch in das historische Innenraumdesign einfügt. Diese Orgel ermöglicht es der Kirche, nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für kleine, musikalische Veranstaltungen genutzt zu werden. Besucher und Dorfbewohner erfreuen sich an Konzerten und erleben so die Kirche als einen lebendigen Ort der Gemeinschaft und des kulturellen Austauschs. Traditionen wie das Osterfeuer, bei dem in einer Prozession das Feuer aus der Kirche getragen wird, verbinden die Gemeindemitglieder und bewahren altes Brauchtum. Die Holtorfer Kirche steht somit nicht nur als Zeugnis vergangener Jahrhunderte, sondern auch als ein Ort der heutigen lebendigen Gemeinschaft.

Weitere Informationen: https://kirchspiel.wir-e.de/holtorf-wie-eine-feste-wehr-steht-sie-da